„Es hat sich ja nicht so viel geändert“ – Ja und?

Es war schon immer ein streitiges Thema. Und wird es auch immer bleiben. Kaderbreite. Einerseits soll es genügend Spieler geben, um auf Verletzungen reagieren zu können und besonders in englischen Wochen eine Rotation sicherzustellen. Andererseits liegt es auch nicht im Interesse des Vereins, wenn Spieler nur durch das monatlich zu zahlende Gehalt auffallen.

In der letzten Saison konnte nur wenig rotiert werden. Der Gedanke liegt daher nahe, dass es deshalb eine wichtige Aufgabe war, den Kader in der Breite zu verstärken.


Hat sich was in Transferphase geändert?

Letzte Spielzeit bestand der Kader aus 22 Feldspielern, aktuell sind es 23. Roger Schmidt hat völlig Recht damit, wenn er sagt, es habe sich nicht sonderlich viel geändert.

„Es hat sich ja nicht so viel geändert“ – Roger Schmidt über die Kaderbreite

Es macht aber wenig Sinn, wenn man die Kaderbreite nur nach der Gesamtzahl bewertet. Nachfolgend sind alle Positionen aufgelistet, die im klassischen Bayer 04 Spiel besetzt werden, sowie alle Spieler, die auf den jeweiligen Positionen spielen können. Spieler, die nur einige wenige Male jeweilige Positionen bekleidet haben, wie z.B. Lars Bender als Rechtsverteidiger, wurden dabei nicht berücksichtigt.

Torwart und Abwehr

Im Tor hat sich der Verein definitiv verstärkt. Bernd Leno konnte gehalten werden und mit Ramazan Özcan und Niklas Lomb sind die Ersatztorhüter so stark wie schon lange nicht mehr.

Kaderbreite - Defensiv
Auch auf Außen ist Leverkusen gut besetzt. Auf beiden Seiten verfügt Bayer 04 über unterschiedliche Spielertypen. Das ermöglicht verschiedene taktische Möglichkeiten je nach Gegner und Spielstand.
Ich kann absolut nachvollziehen, dass der Verein Kyriakos Papadopoulus abgegeben hat. Nach dem Transfer von Dragovic war Leverkusen mit insgesamt sieben Innenverteidigern klar überbesetzt. Der Grieche musste auch wegen seiner Verletzungsanfälligkeit weichen. Da die Innenverteidigung in der letzten Saison im besonderen Maße von Verletzungen betroffen war, hätte es absolut Sinn gemacht mit fünf Spielern in die Saison zu gehen. Lukas Boeder hätte man unterklassig verleihen können, damit er sich besser entwickeln kann. Andre Ramalho hätte man behalten, auch weil er im zentral defensiven Mittelfeld als defensives Back-Up auflaufen kann.
Stattdessen verlieh man Ramalho zum 1. FSV Mainz 05. Ich kann es beim besten Willen nicht nachvollziehen. Man geht nun mir vier etablierten Innenverteidigern in die Saison, die zwar qualitativ stärker sind als in der Vorsaison, aber es Probleme in der Breite bei Verletzungen geben wird. Der fünfte Spieler, Lukas Boeder, wird unter normalen Gegebenheiten zu keiner Spielzeit bei den Profis kommen. Sollte er dennoch eingesetzt werden, würde er ein Risikofaktor darstellen.

Mittelfeld und Angriff

Die Kaderbesetzung in Prozent fällt bei den offensiveren Positionen deutlich höher aus. Das liegt nicht daran, dass pro Kaderplatz mehr Spieler zur Verfügung stehen. In der Defensive werden fünf Positionen unter 12 Spielern aufgeteilt. In der Offensive sechs Positionen unter 14 Spielern. Sondern an der großen Flexibilität der Spieler. Hakan Calhanoglu kann zum Beispiel im zentralen Mittelfeld, auf der linken Außenbahn und im zentral offensiven Mittelfeld spielen.

Kaderbreite - Offensiv

An vielen Stellen konnte ich die Kritik lesen, dass mit dem Abgang von Öztunali auch die Breite in der Offensive verloren ging. Keine Frage, wir haben mit Öztunali, der sehr vielseitig einsetzbar ist, Optionen verloren. Die waren aber eher spielerischer Art, da Öztunali einen anderen Ansatz mitbringt, als zum Beispiel Robbie Kruse.
Dennoch ist Bayer in meinen Augen qualitativ und quantitativ im Mittelfeld und Angriff sehr gut aufgestellt.


Fazit

Von der Qualität der einzelnen Spieler ist die Werkself besser aufgestellt als in der Vorsaison. Kein unverzichtbarer Stammspieler wurde abgeben, stattdessen wurde sich sogar mit Volland, Baumgartlinger, Pohjanpalo, da Costa und Dragovic in der Breite qualitativ verstärkt. Zwar wurde die Spieleranzahl nicht nennenswert erhöht, dennoch wurde die Kaderbreite gestärkt.
Eine höhere Spielerzahl halte ich aber auch nicht für nötig. Von einem Verletzungspech, was auch nur annähernd an dem der letzten Saison herangeht, kann und sollte man nicht ausgehen.
Hätte man sich bei der Entscheidung zwischen Ramalho/Boeder andersherum entschieden, hätte ich nichts auszusetzen.


Kadergrößen in der Bundesliga

Nachfolgend sind alle Bundesligavereine und die jeweiligen Kadergrößen dargestellt.

Kadergrößen in der Bundesliga

In diesem Fall ist die Leverkusener Kadergröße mit 29, statt 26 angegeben. Schreck, Abu Hanna und Havertz haben im oberen Teil keine Berücksichtigung gefunden, da sie für die U19 spielen werden. Da sie aber einen Profivertrag haben, sind sie offiziell Teil des Kaders. In dem Diagramm sind sie nun deswegen mit eingerechnet, damit das Verhältnis zu anderen Vereinen passt.

Eine Auflistung darüber, welche Spieler ich zu welchen Positionen zugeordnet habe, findet ihr hier: Spielerpositionen

Wie bewertet ihr die Kaderbreite? Hättet ihr auf bestimmten Postionen noch Spieler verpflichtet oder abgegeben?

2 thoughts on “„Es hat sich ja nicht so viel geändert“ – Ja und?

Kommentar verfassen