Frauenfußball beim Bayer – Ein Überblick

Den meisten wird es wahrscheinlich ähnlich gehen. Man behauptet Ahnung vom Fußball zu haben, insbesondere von Bayer 04 Leverkusen. Fragt man aber nach Namen, wie Jessica Wich oder Marina Hegering müssen die meisten passen. Ich auch.

Daher wird in diesem Blogbeitrag die Frauenmannschaft behandelt. Der erste Abschnitt gibt eine Zusammenfassung über die generelle Situation im deutschen Frauenfußball. Im zweiten Teil bin ich genauer auf die Leverkusener Mannschaft eingegangen und gebe einen Ausblick auf die anstehende Saison. Da meine Kenntnisse nicht umfassend genug waren um einen Ausblick gerecht zu werden, stand mir eine Fan-Gruppierung vom Bayer 04 Leverkusen Frauenfußball und der Frauenfußballfanclub „Jetzt geht’s los“ zur Seite. Danke!


Spielsystem und Umfeld

Tabelle Frauenbundesliga

Mannschaften der Bundesliga


Liga und Pokal:
Die höchste deutsche Spielklasse ist die Allianz-Frauenbundesliga. Seit der Gründung 1989 ist das Ligasystem vergleichbar mit der Männer-Bundesliga. 12 Mannschaften treten in Hin- und Rückspielen gegeneinander an, um den Deutschen Meister auszuspielen, der sich dann für die UEFA Women’s Championsleague League qualifiziert. Die letzten beiden Mannschaften steigen in die 2. Bundesliga ab, die es seit 2004 gibt.

Rekordmeister ist der 1. FFC Frankfurt, doch in den letzten Jahren konnten die Frauen vom VfL Wolfsburg und vom FC Bayern München die meisten Erfolge einfahren.

Der DFB-Pokal der Frauen besteht aus 56 Teams. Qualifiziert sind die Mannschaften der ersten Bundesliga und den beiden Staffeln der 2. Liga. Die fünf Aufsteiger der abgelaufenen Saison zur 2. Bundesliga und die 21 Pokalsieger aus den Landesverbänden des DFB sind ebenfalls teilnahmeberechtigt.
Die acht besten Mannschaften steigen dabei erst in der zweiten Runde ein. Auch im DFB-Pokal ist der 1. FFC Frankfurt Rekordsieger.

Umfeld:
Die Stadien sind weitaus kleiner als in der Männer-Bundesliga. Die größten Spielstätten sind das Städtische Stadion an der Grünwalder Straße in München (21.272), das Stadion Essen (20.650) und das VfL-Stadion am Elsterweg in Wolfsburg (17.600). Die Bayer 04 Frauen tragen ihre Heimspiele im Ulrich-Haberland-Stadion aus, dessen Kapazität 3.200 beträgt.
Die absoluten Zuschauerzahlen sind deutlich geringer, stiegen aber in den letzten Jahren merklich. In der Saison 2014/2015 besuchten durchschnittlich 1.019 Leute die Ligaspiele. Zehn Jahre zuvor waren es nur 503.
In der letzten Saison hatten die Bayer 04 Frauen einen Zuschauerschnitt von 648.

Finanzen:
Im Frauenfußball lässt sich eine Drei-Klassen-Gesellschaft feststellen. Die Spitzenmannschaften dominieren die Liga oft mit hohen Siegen. Als Grund dafür sind das professionale Management und das höhere Budget anzuführen. Der Etat des VfL Wolfsburg wird auf 3,5 Millionen Euro beziffert. Neben den sonstigen Vereinen der ersten Liga, die als zweite Gruppierung zusammengefasst werden könnten, gibt es viele Vereine, dessen Etat nicht für die erste Liga ausreicht. Als benötigten Erstligaetat nannten die Verantwortlichen des FC Lübars 500.000 bis 750.000 Euro.


Bayer 04 Leverkusen Frauenfußball


Geschichte:

Die Mannschaft besteht seit dem 1. Juli 2008 durch die Übernahme der Frauenfußballabteilung des TuS Köln. Seit 2010/2011 spielt die Mannschaft in der Bundesliga.

Platzierungen Frauenmannschaft

Leverkusens Platzierungen seit 2008/2009

Mannschaften:
Neben dem Profiteam spielt die zweite Mannschaft in der Regionalliga West.
Zudem stellt der Verein drei Mädchenteams. Jeweils eine B-/, C-/ und D-/ Juniorinnen-Mannschaft.

Trainer:
Von 2008 bis 2012 war Doreen Meier Trainerin der Frauenmannschaft. Ihre Nachfolge trat der immer noch amtierende Thomas Obliers an, dessen Vertrag erst zuletzt verlängert wurde.
Die Assistenztrainer sind Malte Dresen und Bert Neschen, Torwarttrainer ist Philipp Birker, Athletiktrainer ist Alois Gmeiner, die Physiotherapeutin heißt Jacqueline Ciompala und Maruan Azrak ist der Teammanager.

Kader:

Kader 2016/2017

Kader 2016/2017

24 Spielerinnen sind bei den Bayer 04 Frauen unter Vertrag. Das Durchschnittsalter beträgt 21,5 Jahre. Zum Vergleich: Die ebenfalls sehr junge Männermannschaft ist aber noch um zweieinhalb Jahre im Durchschnitt älter.

Transferphase:
Zum aktuellen Zeitpunkt wurden elf Spieler verpflichtet und zehn abgegeben. Zuletzt gab es vor der Saison 2009/10, also vor der Aufstiegssaison in die Bundesliga, eine ähnlich große Anzahl von Neuzugängen und Abgängen. Danach wurde das Team immer nur punktuell verändert.
Mit Carolin Simon und Marisa Ewers sind zwei unangefochtene Stammspielerinnen nach Freiburg bzw. Birmingham gewechselt. Auch Anna Gasper und Kristina Sundov sind im vergangenen Jahr in nahezu allen Saisonspielen zum Einsatz gekommen.
Als Neuzugang sticht besonders Nina Ehegötz vom 1. FC Köln heraus, die mit der Fritz-Walter Medaille in Gold ausgezeichnet wurde.

Stärken und Schwächen:
Das Torverhältnis der Vorsaison spricht im Prinzip schon für sich, was die Schwächen betrifft. Die 56 kassierten Treffer sind definitiv zu viel. Gerade in der letzten Saison ist es zu oft passiert, dass nach dem ersten Gegentreffer zu viele weitere gefallen sind (z.B. in Potsdam, Freiburg oder Sand). Auf der anderen Seite muss an der Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor gearbeitet werden, denn mit 21 Toren wird es normalerweise schwer, die Klasse zu halten.
Der große Umbruch und die Rückkehr von einigen Dauerverletzten führt natürlich zwangsläufig zu einem erhöhten Kampf um die Plätze in der Startelf. Zudem sind auch noch einige Stützen dem Verein treu geblieben. Dies lässt sich insgesamt als Stärke einstufen.
Ein kontinuierlicher Vorteil für Bayer 04 ist die Kooperation mit dem Landrat-Lucas-Gymnasium und die Möglichkeit für die Spielerinnen bei Bayer diverse Ausbildungsberufe zu erlernen. Für junge Spielerinnen sind das natürlich gute Voraussetzungen, um ihre (Schul-)Ausbildung mit dem Fußball kombinieren zu können.
Das ist allerdings auch wichtig, wenn der Verein nicht viel Geld zur Verfügung hat bzw. stellt, aber man trotzdem einigermaßen konkurrenzfähig sein will.

Spieler, die man im Blick haben sollte:
Annike Krahn ist zweifellos das mediale Aushängeschild der Mannschaft, allein schon durch ihre große internationale Erfahrung.
Gespannt kann man auf die Entwicklung von Gianna Rackow und Sarah Abu Sabbah sein, die beide aus der U17-Mannschaft in den Bundesligakader aufgerückt sind.
Ein besonders bemerkenswerter Transfer ist Bayer 04 mit Nina Ehegötz vom 1. FC Köln gelungen. Durch die Auszeichnung der Fritz-Walter Medaille in Gold sorgte sie für Aufmerksamkeit. Zwar weiß man nicht, ob Ehegötz auch Angebote von anderen Vereinen hatte, aber dies ist wohl sehr wahrscheinlich. Sie studiert allerdings an der Sporthochschule in Köln, sodass zumindest ein Wechsel nach Wolfsburg oder München allein entfernungstechnisch schwierig gewesen wäre.

Saisonprognose:
Der große Umbruch erschwert einen Ausblick auf die kommende Saison. Der Verein hat als Saisonziel einen einstelligen Tabellenplatz ausgegeben, was ich auch als realistisch erachte. Das primäre Ziel sollte allerdings sein, so schnell wie möglich den Klassenerhalt zu schaffen.


Der Verein hat als Saisonziel einen einstelligen Tabellenplatz ausgegeben, was ich auch als realistisch erachte.“


Mit Merle Barth, Marina Hegering, Turid Knaak und Ramona Petzelberger haben im letzten Jahr gleich vier Stammspielerinnen verletzungsbedingt mehr als die Hälfte der Saison verpasst. Merle Bach bzw. Hegering und Petzelberger sollten in der Innenverteidigung bzw. im defensiven Mittelfeld für mehr Stabilität sorgen können, während Knaak nach ihrem Wadenbeinbruch leider noch länger ausfallen wird.
Ich gehe allerdings davon aus, dass die Mannschaft Zeit benötigt, bis sie sich eingespielt hat. Dies betrifft im Besonderen die Spielerinnen, die aufgrund der U19-EM bzw. U20-WM-Vorbereitung wenig mit dem Team trainieren konnten.
Grundsätzlich sehe ich Bayern und Wolfsburg wie in der vergangenen Saison ganz vorne. Für Frankfurt könnte es nach den vielen namhaften Abgängen schwer werden, dort Anschluss zu halten. Dahinter scheint alles möglich.

An dieser Stelle nochmal einen ganz herzlichen Dank an die Betreiber von der Bayer 04 Leverkusen Frauenfußball Facebook-Seite und dem Frauenfußballfanclub „Jetzt geht’s los“.

Wie seht ihr die Mannschaft von Bayer 04, oder den Frauenfußball generell?

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