Projekt „Leihspieler“ in Leverkusen – Großer Erfolg in der Vergangenheit? (1/3)

Arkadiusz Milik, Konstantinos Stafylidis, Danny da Costa, aber auch Dominik Kohr dürften den meisten von euch bekannt sein. Und das bei nur 761 Spielminuten insgesamt – 190 Minuten durchschnittlich. Deutlich bekannter hingegen, sind diese vier durch die verknüpften Hoffnungen und stehen sinnbildlich für das System talentierte Spieler zu verleihen.

Im ersten Abschnitt dieser dreiteiligen Serie werde ich die Erfolge in der Vergangenheit zusammenfassen, aber auch benennen was man hätte besser machen können. Im zweiten Teil untersuche ich die aktuellen Leihspieler und deren Zukunftsperspektiven. Die Gefahr, welche von ausländischen Vereinen ausgeht, da jene immer mehr Geld für junge talentierte Spieler bezahlen, werde ich im letzten Teil berücksichtigen und begründen in welcher Form dieses Modell auch noch in der Zukunft umsetzbar ist.

Leverkusen erhofft sich durch die Verleihung von talentierten Fußballern, bei denen die Etablierung in die erste Mannschaft noch zu früh käme, möglichst viele Einsatzzeiten in den aufnehmenden Clubs. Die Spieler sollen sich gezielt weiter entwickeln, sodass ihnen dann später der Sprung in die erste Mannschaft gelingt. Dabei werden die Spieler vorwiegend in die deutschen Spielklassen verliehen, um kulturelle und sprachliche Anpassungsschwierigkeiten zu vermeiden.

Abzüglich der noch aktuell verliehenen Spielern, wurden seit der Saison 2010/2011 17 Nachwuchsspieler verliehen. Viele dieser jungen Talente stammten aus der eigenen Jugend. Die 2014 durchgeführte Abmeldung der U23 förderte dieses Modell zwar, aber auch bereits vorher verlieh man potenziell talentierte Spieler. Marcel Risse, Burak Kaplan, Danny da Costa, Christoph Kramer, Erik Zenga, Dominik Kohr, Paterson Chato und zuletzt Dennis Engelman führten ihre Weiterbildung in anderen Vereinen durch. Eine Vorgehensweise an der es kaum Kritikpunkte gibt. Die Spieler kommen zu Einsatszeiten, entwickeln sich und Bayer 04 kann zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, ob man mit den jeweiligen Spielern weiterarbeiten möchte. Da der Verein diese Spieler selber aus der eigenen Jugend hervorbringt und, sofern ein Vertrag es nicht anders regelt, keine Ablöse oder Gehalt zahlen muss, hat Bayer 04 ein sehr geringes Risiko. Da bei den Leihen von Kramer, Kohr und Risse insgesamt 500 Tausend Euro Leihgebühren erzielt wurden, ist dieses Modell gleichzeitig auch eine weitere Einnahmequelle.

Hajime Hosogai, Lucas Rocha, Tobias Steffen, Nicolai Jörgensen, Konstantinos Stafylidis, Carlinhos, Junior Fernandes, Karim Bellarabi und Arkadiusz Milik kamen hingegen nicht aus der eigenen Jugend, sondern wurden teilweise nur per Leihe, ablösefrei oder auch gegen Bezahlung nach Leverkusen transferiert. Besonders auffällig sind die bezahlten 2,6 Millionen Euro für Milik und die 1,5 Millionen Euro für Stafylidis. Insgesamt kosteten diese Spieler geschätzt 5 Millionen Euro. Das verdeutlicht das höhere Risiko, da in diesem Fall finanzielle Folgen mit einem Spieler verbunden sind. Auf der anderen Seite waren jene Spieler zum Zeitpunkt der ersten Leihe bereits entwickelter, wenn man die Marktwerte von transfermarkt.de zu Grunde zieht.

Bei der Erstverleihung hatten die Spieler aus der eigenen Jugend einen durchschnittlichen Marktwert von ungefähr 300 Tausend Euro, die einkauften Spieler einen von einer Million. Zieht man das Alter als Indikator für die sportliche Entwicklung heran, fällt auf, dass die Spieler aus der eigenen Jugend mit einem Erstverleihungsalter von 19,6 Jahren deutlich früher verliehen wurden, da die eingekauften Spieler durchschnittlich erst mit 21 Jahren verliehen wurden. Das zeigt, dass Leverkusen stets bedacht ist das Risiko niedrig zu halten, da Spieler erst ab einem fortgeschrittenen Alter und mehr gezeigten Leistungen verpflichtet werden. Zudem wurde auch nie mehr als 2,6 Millionen Euro für einen Fußballer ausgegeben.

Im Endeffekt geht es aber nicht darum, dass Risiko möglichst niedrig zu halten, sondern einen besonders hohen finanziellen und sportlichen Erfolg zu erzielen. An festen Beträgen, also abzüglich Prämien, Gehälter und weiteren Nebenkosten, die nicht feststellbar sind, bezahlte die Werkself 5 Millionen Euro für Talente, die dann verliehen wurden. Kompensiert werden diese Ausgaben einerseits durch insgesamt 1.080.000 Euro Leihgebühren, aber auch durch 9.820.000 Euro Transfererlösen durch den Wiederverkauf. Insgesamt brachte also das Modell „Leihspieler“ an festen Beträgen 5.900.000 Euro Gewinn.

Der Wiederverkauf von mehreren Spielern implementiert aber ebenso, dass die wenigsten Spieler es geschafft haben nach ihren Leihen regelmäßig unter dem Bayerkreuz zu spielen. Aktuell trifft dies nur auf Christoph Kramer und Karim Bellarabi zu, die aber wegen ihrer besonderen Entwicklung oftmals als Paradebeispiele hervorgehoben werden.


„Mit Christoph Kramers Rückkehr zu seinem Stammverein Bayer 04 Leverkusen ist unser Konzept voll aufgegangen, junge und talentierte Spieler bei anderen Klubs auf hohem Niveau weiterzuentwickeln.“ – Michael Schade bei der Vertragsverlängerung von Christoph Kramer


Doch obwohl es aktuell erst zwei Spielern gelungen ist, sich auch nachher im festen Kader zu integrieren, ist bei fast allen Spielern eine positive Entwicklung, bezüglich ihres Marktwertes festzustellen. Nicht nur das Kramer und Bellarabi, welche mittlerweile beide Nationalspieler sind, nun insgesamt einen Marktwert von 28 Millionen haben, auch Milik konnte seinen Wert von 2,5 Millionen Euro auf 7 Millionen Euro steigern, Marcel Risse von einer Million Euro auf 3,5 Millionen Euro und Dominik Kohr von 500 Tausend auf 3 Millionen Euro. In der Nachbetrachtung haben nur Hosogai und Kaplan aktuell einen niedrigeren Marktwert als zum Zeitpunkt ihrer ersten Leihe.

In den letzten Jahren funktionierte das Modell talentierte Spieler früh zu verleihen sehr gut. Es ist gelungen mit Bellarabi und Kramer zwei Stammkräfte aufzubauen und nebenbei auch durch Wiederverkäufe Gewinne zu erzielen. Die positive Entwicklung des Marktwertes von 15 der 17 Spieler zeigt den sportlichen Erfolg der meisten einzelnen Spieler, aber auch das Gespür der Scouts. Nur bei Nicolai Jörgensen war die Ablöse teurer, als der Verkaufswert.

Trotz all des Lobes kommt man an dieser Stelle nicht daran vorbei, dass der Verkauf von Milik unglücklich war. Zwar brachte er mehr Geld, als er kostete, aber in der Nachbetrachtung gelang Ajax Amsterdam an den Golden Boy Nominierten zu preiswert – in der Nachbetrachtung.

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