Dann werden wir halt im Internet Meister

Als Jochen A. Rotthaus, Direktor für Marketing & Kommunikation bei Bayer Leverkusen, Anfang Dezember den Einstieg in den eSport verkündete, zeigten sich die wenigsten überrascht. Nicht nur weil Vereine wie Schalke, Wolfsburg und Stuttgart diesen Weg schon zuvor einschlugen, Mannschaften lassen sich längst nicht mehr nur über die 90 Minuten auf dem Platz vermarkten.

Fußballklubs sind nicht nur Sportvereine, sondern Unternehmen und Marken. Markenpräsenz ist dabei ein wichtiges Schlagwort. Neben dem Erfolg und der Reputation der Spieler, wird der Präsenz in den neuen Medien eine immer höhere Beachtung geschenkt. Ständige Kommunikation in den sozialen Netzwerken, meistens mehrsprachig, bunt und auffallend. Ein weiterer Part der digitalen Vermarktungsstrategie soll nun Marvin „M4RV“ Hintz, professioneller nationaler und internationaler FIFA-Spieler, werden. Ist ein E-Sportler nun das Maskottchen 2.0? Wo ein Plüsch-Löwe die jüngsten Fans erfreuen soll, soll dies nun ein Gamer für die Jugendlichen tun?

„Maskottchen für die Jugendlichen“ ist allerdings dabei nur eine Erklärung, die man vereinfachend für seine eigenen Großeltern benutzen könnte. Rotthaus selbst spricht von einem „Botschafter“ und der „Etablierung des Megatrends“. Begleitet wird das Projekt von dem eSport-Experten Daniel Luther, Projektleiter Digital bei ESB, Manager von Hintz und ehemaliger professioneller Call of Duty Spieler. Das ESB Marketing Netzwerk betreut bereits den VfB Stuttgart, Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt und Borussia Mönchengladbach in digitalen Fragen und den FC Basel ebenfalls im eSport. Der Vorteil am Markteintritt für Leverkusen liegt in der Zielgruppe. „Jung und international“ nannte sie Lindner, explizit bei FIFA sicherlich auch interessiert an Fußball. Der Weg vom digitalem zum realen Fußball ist dann kurz.

Marvin Hintz kann schon als 21jähriger eine große Erfahrung aufweisen. Professionell spielte er schon für Netzwerke wie bPartGaming, BLUEJAYS und euronics. Mit letzterem wurde die Partnerschaft im Juni 2017 beendet. Solche Unternehmen bieten den Sportlern Social Media und PR Management, Markenentwicklung und Vermarktung, sowie Förderung bei der sportlichen Entwicklung. Nun soll er selber zur Markenentwicklung und Vermarktung seines Lieblingsvereins Bayer Leverkusen beitragen. Was in diesem Fall auch keine Phrase ist, Fan ist er nachweislich. „Geradezu ein Glücksfall“ für Rotthaus. Einerseits soll Hintz die Werkself bei Turnieren vertreten, wo er dann im Trikot der Werkself spielen wird, andererseits gehören interne Marketingauftritte zu seinen neuen Aufgaben. Sei es das Spielen von Partien in der BayArena, ein Duell gegen Bernd Leno für Facebook oder schlichtweg die Implikation des Bayer 04 Designs in Posts auf sämtlichen sozialen Netzwerken. Eine so starke Verknüpfung zwischen Arbeitgeber und ihm selbst, war er bei seinen vorherigen Stationen wohl nicht gewöhnt.

Wie es sich in der Zukunft entwickeln könnte zeigen bereits andere Vereine. Schalke 04 verfügt über einen eigenen Kader, inklusive Team-Manager, Strategic-Coach und Koordinator. Neben FIFA wurde das Engagement auch auf Spiele ausgeweitet, die nichts mehr mit Fußball zu tun haben. Eigene Sponsoren schmücken die Trikots der Sportler, digitaler Sport entwickelt sich damit vom Marketinginstrument zur Einnahmequelle. Eine Entwicklung, die auch in Leverkusen nicht undenkbar scheint. Die Verpflichtung von Hintz war für Rotthaus nur der „digitale Anpfiff“ und „Einstieg“. Die ersten weiterführenden Aktionen wurden nun sogar schon deutlich. So findet ein von Leverkusen ausgerichtetes FIFA-Turnier in Kooperation mit der amerikanischen Firma „Powerbar“ statt. Ein Sponsor, der vorher nie mit dem Verein in Verbindung stand. Mehr kann und wird folgen.

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