Irgendwas zwischen besser und schlecht

Testspielergebnisse interessieren mich nicht. Mich interessiert nicht, ob diese Partien in einem Remis enden, gewonnen oder verloren werden. Es spielt keine Rolle. Entscheidend ist, wie die Mannschaft spielt, welche Umstellungen und Versuche gelingen und missglücken und wie sich einzelne Spieler schlagen. Es ist völlig egal, dass sieben Testspiele in Folge nicht gewonnen wurden, Testspiele bemessen sich nicht an Ergebnissen, sondern daran, ob erfolgreich ein Fundament für die Saison gelegt werden kann. Positive Ergebnisse sind ein Indiz für eine gute spielerische Leistung, negative dementsprechend andersherum, das ist unstrittig. Aus all den gesehenen Spielen kann man Erkenntnisse ableiten, reichlich Stoff für Pessimismus ziehen, zielführend ist es aber nicht, Katastrophen herbeizureden, nur weil aus bisher neun Spielen nur zwei gewonnen wurden.

Foto von: www.lev-rheinland.de

Es ist relativ leicht, mit Argumenten die Testspielergebnisse zu erklären, ja sogar zu beschönigen. Es wurde doppelt getestet, das wirkt sich negativ auf die Ergebnisse aus. Im zentralen Mittelfeld gab es keine Routine, denn Baumgartlinger stieg später ins Training ein, Aránguiz fehlte fast die komplette Vorbereitung, Lars Bender war auch als Rechtsverteidiger gefordert und Demirbay musste komplett neu ins Mannschaftsgefüge integriert werden. Dementsprechend unkontrolliert war das Zentrum, oftmals mit Jugendspielern gefüllt. Es wurde zudem viel ausprobiert: Pohjanpalo auf der Außenbahn, Paulinho im Zentrum und Retsos als Rechtsverteidiger. Und die besagten gegnerischen Vereine spielen allesamt auf gutem Niveau in veritablen Ligen.

All diese Argumente stimmen, dennoch reichten sieben Testspiele ohne Sieg aus, um bei einigen Dystopien zu wecken. Die Saison war gelaufen, da fing sie noch nichtmal an. Ich finde das ermüdend, in dieser übertriebenen Form unfair und es mangelt mir wohl auch an der Energie, mich schon vor der Saison so aufzuregen, wohlwissend dass eine gewöhnliche Bayer-Saison mir noch genug Energie kosten wird. Zumal zu der Vorbereitung auch die Transferperiode gehört, die von allen sehr positiv bewertet wird. Ich habe Verständnis, wenn sich Bayern-Fans aktuell über das Agieren ihres Lieblingsklubs auf dem Transfermarkt echauffieren, aber nur wenig, wenn man eine Saison abschreibt, weil reihenweise Testspiele verloren gingen. Und jegliches Verständnis hört bei mir auf, wenn einem mehr als verdienten Spieler wie Lars Bender in seiner Anwesenheit abgesprochen wird, Qualität zu haben und ein wichtiger Faktor zu sein. So geschehen auf dem Fanclubmeeting vor einigen Tagen.

Aber auch wenn die Einschränkungen und Relativierungen stimmen, so ist das Problem dennoch, dass die Mannschaft noch nicht soweit ist, wie sie sein sollte. Es ist verständlich, dass gegen Aachen die Zuordnung im Mittelfeld nicht ganz passte, es ist dann aber doch unverständlich, wie sehr sich die Spieler besonders in der ersten Halbzeit selbst im Weg standen und es an Tempo mangelte. Es ist verständlich, dass ein Anschlusstreffer die Alemannia beflügelte, es ist aber nicht nachvollziehbar, dass kurz danach die Mannschaft so unruhig und anfällig war. Leverkusens Spieler sind zwar im Schnitt noch jung, unerfahren aber nicht.
Es ist gut für das Team, dass Bosz nicht auf Flanken setzt. Weder ist Volland Mandžukić, noch irgendein Flügelspieler besonders versiert im Schlagen von Flanken. Beides ist nicht neu, es ist aber dann doch enttäuschend, dass Flankenschlagen sich nicht mal minimal verbesserte, gleiches gilt für Standardsituationen. Demirbay hat das sicherlich drauf, bisher hat er dies aber gut kaschiert. Die Innenverteidiger im DFB-Pokal fand ich individuell weitestgehend überzeugend, im Kollektiv waren sie aber zu anfällig. Beim Gegentor gab es eine desaströse Zuordnung, bei der Chance kurz danach ebenso. Bewegt sich dies im Rahmen, ist das zu verzeihen. Bosz‘ Leverkusen wird immer anfällig für Konter sein, denn die Verteidigung wird immer ausrücken, das Mittelfeld immer pressen, das Risiko wird tendenziell immer hoch sein. Illusionen braucht man sich da nicht hingeben. Es wird nie das Ziel sein, ein Gegentor weniger zu kassieren, als zu erzielen; es wird immer das Ziel sein, ein Tor mehr zu erzielen, als zu kassieren. Und die defensive Unordnung gegen Aachen ist insofern auch zu erklären, dass die Formation ungewöhnlich war. Dreierkette mit einem Rechtsaußen Dragović. Dennoch war es phasenweise für die Mannschaft von Fuat Kılıç zu einfach, es werden zahlreiche neue Abwehrkonstellationen in dieser Saison folgen, da muss systematisch die Abstimmung besser sein.

Problematisch an den Testspielen ist daher viel eher, dass die Vorbereitungszeit zu kurz war, insbesondere für das Mittelfeld. Dass Abstimmungen noch nicht passen, dass die Dreierkette aus dem Aachen-Spiel vorher nicht getestet wurde und dass die Standardgefahr sich noch nicht erhöhte. Dennoch: Das Spiel gegen Aachen war erfolgreich, schließlich gewann Leverkusen und zog in Runde zwei, es war auch ein spielerischer Erfolg, denn es ließ sich eine Verbesserung zu zuvor beobachten, es war gut genug, aber nicht gut. Es kommt Leverkusen wohl sehr entgegen, dass die Bundesliga-Saison mit Paderborn und Düsseldorf startet, man hätte sich auch eine größere Herausforderung vorstellen können. Und es kommt meinem Optimismus entgegen, dass Abstimmungs- und Zuordnungsprobleme sich mit Routine lösen lassen, mit der Zeit also Verbesserungen zu erwarten sind. All die weiteren Kleinigkeiten ziehen dann hoffentlich nach.


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